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Effektive Selbstverteidigung – Mein erstes Mal Krav Maga

Krav Maga ist eine Selbstverteidigungstechnik, die vom israelischem Militär im Nahkampf eingesetzt wird. Hier wird Deeskalation vermittelt, aber auch wie man seinen Gegner möglichst effektiv platt macht. Sonntag habe ich meinen Krav Maga Einführungskurs absolviert. Hier meine Eindrücke vom Tag.

Ehrlich, ich bin kein Kampfsportler. Und anderen Leuten auf die Mütze zu hauen gehört nicht zu meinen Hobbys. Dennoch finde ich es grundsätzlich nicht verkehrt, einige Verteidigungstechniken zu lernen. Auf der Straße trifft man schließlich nicht selten auf recht unangenehme Mitmenschen . Ein Kumpel erzählte mir kürzlich von Krav Maga. Einer Selbstverteidigungsform, die beim israelischen Geheimdienst praktiziert wird. Oha! Klang für mich so spannend, so dass ich mir in den Tagen drauf eine Kampfsportschule hier in der Nachbarschaft gesucht habe. Ich habe mich für einen Tageskurs entschieden, 5 Stunden Krav Maga Basics. Den habe ich nun absolviert und berichte hier von meinen Eindrücken.

Krav Maga Selbstverteidigung Kurs Isreal Militär Nahkampf

Was ist Krav Maga?

Ich hab mich mal bei Wikipedia schlau gemacht, Krav Maga wurde von einem gewissen Imrich Lichtenfeld entwickelt, einem Nahkampfausbilder in der israelischen Armee. Die Technik bietet effektive und einfache Methoden, um sich gegen Gewalt wehren zu können. Es ist also ausdrücklich keine Angriffstechnik, was auch im Kurs immer wieder deutlich wurde. Krav Maga wird weltweit bei Polizei und Militär zur Deeskalation und Eigenschutz angewendet, in den USA ist es auch als Fitnessprogramm angesagt.

Die Organisation Krav Maga Defcon (bei der ich auch meinen Kurs belegt habe) erklärt Krav Maga in diesem Video schön unaufgeregt, ganz ohne martialische Metalmucke und Explosionen im Hintergrund. Der Herr mit der Brille ist übrigens Dirk, unser Trainer an dem Tag.

Erste Lektion: Deeskalieren und Ärger aus dem Weg zu gehen

Die erste Lektion des Tages von unserem Trainer Dirk (eine kantige Berliner Schnauze, der ich nicht im Dunklen begegnen möchte) lautete: Die beste Verteidigung ist, potentieller Gefahr aus dem Weg zu gehen! Ganz simpel. Es hat wirklich nichts mit Feigheit zu tun, sich beispielsweise in der Bahn nicht direkt neben den übelsten Typen zu setzen, der eh schon rumpöbelt. Mit gesundem Menschenverstand lassen sich viele Gefahrensituationen vermeiden. Was natürlich nicht heißt, dass man sich alles gefallen lassen muss. Aber falsches Ehrgefühl endet leider nicht selten im Krankenhaus, denn viele Stressmacher sind ganz schlicht geübter im auf’s Maul hauen, als der friedliebende Normalbürger.

In Stresssituation: Potentielle Angreifer nicht andocken lassen

Ey, was guckst Du?! Solltet Ihr in den Fokus eines offensichtlich schlecht gelaunten Mitmenschen geraten, greift das nächste Level der Krav Maga Verteidigungstechnik. Ihr solltet dem Stressmacher schlichtweg keine Möglichkeit bieten, über ruppige Kontaktversuche an Euch „anzudocken“. Beispielsweise böse Blicke oder auch verbale Pöbeleien aus der Ferne. Dies gelingt über einfaches Ignorieren, jedoch ohne sich dabei einschüchtern zu lassen. Denn: Sich aktiv in die Opferrolle zu begeben (etwa durch Blick senken, kleiner machen, Angst zeigen), bietet dem Gegenüber ebenfalls eine sehr willkommene Angriffsfläche. Nach dem Motto „Toll, ein Opfer, bei dem habe ich leichtes Spiel!“. Also cool bleiben und den Stresser einfach die kalte Schulter zeigen.

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Erster Angriff: Deutliche Ansprache und richtig ausweichen

Nach einem wirklich knackigen Aufwärmtraining wurde es nun erstmalig körperlich. Zunächst trainierten wir zum warm werden das richtige fallen und abrollen, zusammen mit einer Möglichkeit, sich freihändig aufzurichten. Um die Hände sofort als Werkzeug vor dem Körper parat zu haben.

Die Krav Maga Basics bauen auf einigen simplen Techniken auf. Im Grunde sind dies: Oberarme und Hände vor dem Körper und fester Stand mit einem Bein angewinkelt. Aus dieser Haltung heraus übten wir nun in kleinen Rollenspielen das dritte Level der Abwehr. Die laute und deutliche Aufforderung an den Angreifer, seine Attacke doch bitte zu unterlassen. „HALT! BLEIBEN SIE STEHEN! LASSEN SIE MICH IN RUHE!“. Klingt genauso ungewohnt wie es sich anfühlt, im Normalfall schreit man schließlich keine Fremden an.

An dieser Stelle fragt Ihr Euch vielleicht, warum Ihr Euch nicht nur anstarren und bepöbeln lassen sollt, sondern nun den Angreifer auch noch höflich siezt. Wie gesagt, Krav Maga versucht auf mehreren Ebenen eine gewaltsame Auseinandersetzung zu vermeiden. Dazu gehört es auch,  den Angreifer klar auf Distanz zu halten. Förmlich durch Siezen, körperlich indem man den kontrollierten Rückwärtsgang antritt.

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Endlich gibt’s was auf die Mütze: Krav Maga Grundtechniken des Angriffs

Es ist so weit. Wenn es nun trotz Eurer redlichen Bemühungen zum Angriff kommt, setzt Ihr die Krav Maga Techniken ein, um den Gegner möglichst schnell außer Gefecht zu setzen. In der Regel wehrt Ihr den angreifenden Schlag ab und gebt dem Angreifer direkt eine möglichst effektive Antwort. Im Krav Maga ist das beispielsweise ein heftiger Schlag mit der flachen Hand auf die Nase. Mit dem Ziel diese zu brechen und den Gegner unschädlich zu machen. Auch ein Faustschlag in die Weichteile ist grundsätzlich erlaubt, im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten. Danach folgen Kombinationen mit Faust, Unterarm und Knie, falls der gewünschte Effekt (Angreifer am Boden, ruft nach Mutti) noch nicht eingetreten ist.

Im Kurs trainierten wir die Kombinationen aufeinander aufbauend. Also erst Schlagabwehr, dann Schlagabwehr mit Gegenangriff, dann die gesamte Kombination mit weiteren Schlägen, falls der erste Schlag nicht zur Klärung der Situation geführt hat. Ab hier ist es dann auch endgültig vorbei mit der Deeskalation. Klares Ziel ist es nun, dass der Gegner reumütig am Boden verbleibt.

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Aus Umklammerung und Würgegriff lösen

Nach den Kombinationen trainierten wir Griffe für den Fall, dass der Angreifer uns unvorbereitet erwischt hat, und schon unangenehm nah gekommen ist. Etwa durch Griff am Hemdkragen oder Würgegriff. Krav Maga bietet hier einige sehr wirkungsvolle Hebelgriffe, um sich nicht nur aus einer solch unangenehmen Kontaktaufnahmen zu befreien, sondern auch um direkt einen Konterschlag zu setzen. Zitat Tainer Dirk: „Das muss trümmern!“. Wie schön.

An dieser Stelle des Trainings (etwa in den letzten 2 Stunden) wurden die Kombinationen echt sehr komplex. Im Training mussten wir nun alle Techniken einsetzten, die in den vorherigen Stunden vermittelt wurden. Gar nicht einfach. Mit mehrmaliger Übung saßen die Griffe schließlich. Aber es wurde völlig klar, dass es viel Übung und regelmäßige Wiederholung braucht, um alle Techniken in Stresssituationen abrufen zu können.

 

Mein Fazit

Was mir grundsätzlich an Krav Maga gefällt, ist der Ansatz, Gefahren zunächst friedlich abzuwenden. Das Ziel ist es nicht, den ultimativen Überraschungsschlag zu platzieren. Das klappt eh fast nie, bestätigte auch Profi Dirk. Krav Maga bietet vielmehr wirklich effektive Techniken, um den Gegner direkt zu Boden zu schicken. Ohne viel rumtanzen und Show. Im Idealfall setzt Ihr maximal drei Kombinationen ein, und die Situation ist geklärt. Krav Maga ist Straßenkampf, im Gegensatz zu anderen Kampfsportarten sind Schläge in die Weichteile erlaubt. Man kann also durchaus von einer recht alltagstauglichen Verteidigungstechnik sprechen.

Krav Maga ist jedoch ein trainingsintensiver Kampfsport, der regelmäßig betrieben werden sollte. Trainer Dirk empfiehlt mindestens zwei Trainingseinheiten pro Woche, um Krav Maga wirklich in der Tiefe zu beherrschen. Zeitintensiv, für mich persönlich gerade nicht drin. Dennoch möchte ich dabei bleiben, und stattdessen den Basic 1 Kurs in einigen Monaten noch einmal wiederholen. Um dann den Basic 2 Kurs zu besuchen, der weitere Schläge und Tritte vermittelt. Basic 3 dreht sich um den Kampf mit Alltagsgegenständen als Waffe, der Basic 4 Kurs vermittelt die Abwehr bewaffneter Angreifer.

Für wen ist Krav Maga geeignet?

Ich würde sagen, dass Krav Maga grundsätzlich für Alle geeignet ist, die sich effektiv verteidigen wollen. Egal ob Frau oder Mann, dick oder dünn. Es gibt sogar spezielle Krav Maga Junior Kurse für Kinder ab 12 Jahre. Grundsätzlich solltet Ihr eine gewisse Kondition besitzen. Das Aufwärmprogram ist knackig, der 5 Stunden Kurs war körperlich wirklich sehr fordernd.

Die Übungen lassen sich grundsätzlich auch von ungeübten Personen umsetzen und sind klasse geeignet, um ein grundsätzlich sicheres Auftreten und Körpergefühl in Angriffssituationen zu bekommen. Dennoch ist eine gewisse Ausdauer und Kondition Voraussetzung. Ich würde sagen, dass Functional Training und Crossfit eine sehr gute Vorbereitung auf das Krav Maga Training bieten.

Herzlichen Dank an Trainer Dirk und das Krav Maga Defcon Team, der Kurs hat gebockt!
Wir sehen uns wieder…

PS: Die Fotos aus diesem Artikel habe ich aus dem verlinkten Youtube Video, vor Ort war fotografieren nicht möglich.

 

Für Hamburger die jetzt auf den Geschmack gekommen sind hier einiger Links:

 


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Comments (3):

  1. Yussuf

    Oktober 2017 at 12:01

    Spannender Erlebnisbericht. Ich denke ich werde mich auch mal informieren….

    Antworten
  2. Denniz K.

    Oktober 2017 at 12:10

    Ich praktiziere seit etwa 1 Jahr Krav Maga und kann bestätigen was Du in Deinem Artikel schreibst, ein sehr effektiver Verteidigungssport. Bleib dabei! Gruß aus Köln.

    Antworten
  3. KravMaga Osnabrück

    Oktober 2017 at 12:13

    „Krav Maga ist jedoch ein trainingsintensiver Kampfsport, der regelmäßig betrieben werden sollte.“ – stimmt, ohne Training wird’s schwer, würde sogar dreimal die Woche vorschlagen….
    PS: Cooler Blog!

    Antworten

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